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Eichsfelder Feldkieker, Stracke und Ahle Wurscht – Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Nordhessen, Thüringen und das südöstliche Niedersachsen sind bekannt für ihre köstlichen Wurstspezialitäten. Fleisch und Wurst werden hier von den Fleischern oft noch nach alter Tradition hergestellt und viele der Spezialitäten sind weit über die Grenzen der Region hinaus bekannt. Dies gilt insbesondere für die beliebte Dauerwurst, die in Herstellung, Verwendung und Geschmack an italienische Salami erinnert. Sie wird – je nach Geschmack – luftgetrocknet oder leicht kaltgeräuchert, wodurch sie Konsistenz und Farbe einer Rohwurst erhält.

Die traditionell in Hausschlachtung hergestellte Wurst wird schon seit Generationen unter verschiedenen Namen angeboten. Im nördlichen Hessen kennt man sie unter der Bezeichnung „Ahle Wurst“ oder auch „Ahle Wurscht“, „Ahle Worscht“ oder „(Ahle) Rote Wurst“, manchmal auch als „Ahle Wurst aus Kassel“ beziehungsweise „Kasseler Ahle Worscht“. Im Eichsfeld, zwischen Harz und Werra, heißt die Dauerwurst Feldgieker (auch: Feldgieker, Feldgicker) und je nachdem, welche Form die Wurst hat, wird sie als „Dürre Runde“ oder „Stracke“ (Gestreckte) bezeichnet. Alle diese Würste haben viele Gemeinsamkeiten, unterscheiden sich aber auch in einigen Merkmalen, die sie zu unverwechselbaren regionalen Spezialitäten machen.

Regionale Unterschiede

Die Bezeichnung „Ahle Wurst“ in Hessen oder auch „Ahle Wurscht“ in Kassel stammt aus dem Mitteldeutschen und bedeutet „alte Wurst“. Der Zusatz „alte“ bezieht sich allerdings nur auf die Reifedauer der Wurst, die vergleichsweise lang war, um die Wurst möglichst lange haltbar zu machen. In Zeiten, in denen es noch keinen Kühlschrank gab und die Menschen auf natürlich konservierte Lebensmittel angewiesen waren, war eine lange Haltbarkeit besonders wichtig. Die Form der Wurst war eher zweitrangig, auch wenn es hier durchaus unterschiedliche Vorlieben gab. Während die einen eher dicke runde Würste bevorzugten, mochten die anderen lieber dünnere, gestreckte Würste, die als „Stracke“ bekannt wurden.

Den Feldkieker kannten die Menschen in Hessen schon im Jahr 1488. Über die Namensherkunft gibt es verschiedene Vermutungen. Da viele Bauern die Wurst zur Stärkung mit auf das Feld genommen haben, besagt eine Theorie, dass die Wurst aus der Tasche des Bauern „kiekt“ (guckt), wenn er auf dem Feld arbeitet. Oder der Name stammt von dem Brauch, dass die Bauern die Wurst während der Feldarbeit in die Erde „gikten“ (steckten), um sie bis zum Verzehr schön kühl zu halten. Eine andere Interpretation bezieht sich auf den Schweinedarm als Wursthülle, der nämlich „ins Feld kiekt“, wenn das Schwein zum Hof zurückkehrt. Im Laufe der Zeit entwickelten sich verschiedene Varianten, von denen heute vor allem Eichsfelder, Göttinger und nordhessischer Feldkieker (oder Feldgieker) bekannt sind.

Neben den Namensunterschieden gibt es auch Unterschiede in der Herstellung und Rezeptur der verschiedenen Würste.

Unterschiede in der Herstellung und Zutaten

Der wohl wichtigste Unterschied zwischen Ahle Wurscht, hessische Stracke und Feldgieker liegt in den Details der Herstellung. Das Fleisch für die Ahle Wurst aus Hessen stammt traditionell aus schweren, mindestens einjährigen Schweinen und wird noch schlachtwarm, das heißt innerhalb von vier Stunden nach der Schlachtung, verarbeitet. Das Warmschlachteverfahren wird auch zur Herstellung der Feldgieker eingesetzt. Außerhalb der Region wird es jedoch kaum noch angewendet, es müssen strenge Auflagen erfüllt werden, damit nordhessische und Thüringer Fleischer ihre Wurst nach dieser traditionellen Weise herstellen dürfen. Hessische Ahle Wurst reift meistens drei bis neun Monate lang, bevor sie verkauft wird.

Typische Gewürze für die hessische Ahle Wurst sind Senfkörner, Muskat, Kümmel oder Knoblauch. Außerdem wird die Wurst häufig mit etwas Rum oder Schnaps verfeinert. Die beliebte nordhessische Stracke wird häufig mit kräftig mit Pfeffer gewürzt und manchmal mit etwas Honig verfeinert. Das Wurstbrät wird dann in Schweinedarm zu runden, relativ gerade geformten Würsten abgefüllt. Sie muss etwa drei Monate lang reifen und ist dann ist luftgetrocknet oder leicht geräuchert erhältlich.

Feldgieker werden meist nur mit Pfeffer und Knoblauch gewürzt, seltener mit anderen Kräutern wie Koriander. Die gewolfte Wurstmasse wird traditionell in eine Hülle gefüllt, die aus der Fetthaut des Schweine-Bauchschmalzes hergestellt wurde. Im Vergleich zur Stracke Wurst aus dem Eichsfeld sind Feldgieker eher etwas größer im Umfang und haben die Form einer Blase. Ihre Reifezeit beträgt mindestens sechs Monate.

Gemeinsamkeiten im unverwechselbaren Geschmack

Ob hessische Ahle Wurst, Stracke oder Feldgieker aus dem Eichsfeld – jede Spezialität hat ihren eigenen unverwechselbaren Geschmack, der durch die jeweilige Würzung variiert. Welche Wurst am besten schmeckt, lässt sich unmöglich sagen, hier entscheidet alleine der persönliche Geschmack. Die einzelnen Geschmacksnuancen erkennen Sie am besten, wenn Sie die Wurst traditionell genießen: Einfach in nicht zu dünne Scheiben schneiden und diese auf ein kräftiges (nicht gebuttertes!) Bauernbrot legen. Dazu schmecken Gurken und ein kühles Bier als Getränk. Wichtig: Ihren vollen Geschmack entfaltet die Wurst bei Zimmertemperatur, deshalb empfiehlt es sich, sie 1-2 Stunden vor dem Verzehr aus dem Kühlschrank zu nehmen.

Selbstverständlich lässt sich Stracke und Co. auch als Zutat in der Küche verwenden. Hier können Sie sich sehr gut an Rezepten mit italienischer Salami orientieren oder einfach selbst experimentieren. Ihrer kulinarischen Kreativität sind hierbei keine Grenzen gesetzt!

Unsere Feldkieker, Stracke und Ahle Wurscht im Angebot:

Wenn Sie neugierig geworden sind und die verschiedenen Würste selbst einmal probieren möchten, stöbern Sie durch unser Sortiment. Bei uns finden Sie eine köstliche Auswahl traditionell hergestellter Würste aus Nordhessen, Thüringen und dem Eichsfeld, die Sie mit ihrem ganz eigenen Geschmack begeistern.

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Original Eichsfelder Feldgieker

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Über den Autor

Sebastian

Ursprünglich aus Hessen, musste Sebastian schon früh aufgrund von Umzügen auf seinen geliebten Handkäs mit Musik verzichten. Umso mehr freut er sich jetzt darauf als Teil von vomWochenmarkt die Spezialitäten aus seiner Kindheit wieder zu entdecken und auszuprobieren. Da Deutschland eine riesige Vielfalt an verschiedenen Delikatessen zu bieten hat, berichtet er gerne von den besonderen Traditionen, Rezepten, Herstellungsverfahren und anderen Geschichten die die regionalen Spezialitäten zu bieten haben.